Photokatalyse (z.B. TiO2)

Die zweite Stufe: Was die Gasphase nicht schafft, erledigt die Oberfläche.

Die VUV-Photooxidation arbeitet im freien Gasraum – schnell, wirkungsvoll und in Sekundenbruchteilen. Bei leichtflüchtigen Verbindungen und Geruchsstoffen im Spurenbereich reicht das vollständig aus. Anders sieht es bei schwerflüchtigen, hochmolekularen oder besonders stabilen Verbindungen aus: Sie werden von den Oxidationsmitteln zwar angegriffen, aber nicht immer bis zum Ende durchoxidiert. Genau hier setzt die heterogene Photokatalyse an.

Das Wirkprinzip

Titandioxid (TiO₂) ist ein Halbleiter. Trifft UV-Strahlung ausreichender Energie auf die Katalysatoroberfläche, hebt sie Elektronen aus dem Valenz- in das Leitungsband. Zurück bleibt ein Elektron-Loch-Paar (e⁻/h⁺) – ein extrem reaktives Paar von Ladungsträgern an der Oberfläche:

TiO₂ + hν → TiO₂ (e⁻ + h⁺)

Beide Ladungsträger reagieren unmittelbar mit dem, was sich an der Oberfläche angelagert hat. Das Loch oxidiert adsorbiertes Wasser zu Hydroxylradikalen, das Elektron reduziert adsorbierten Sauerstoff zum Superoxidanionradikal:

TiO₂ (h⁺) + H₂O (ad) → TiO₂ + OH· + H⁺
TiO₂ (e⁻) + O₂ (ad) → TiO₂ + O₂·⁻

Adsorbierte organische Moleküle werden zusätzlich direkt oxidiert, ohne den Umweg über ein Radikal:

TiO₂ (h⁺) + RX (ad) → TiO₂ + RX·⁺

Der entscheidende Punkt: Die Reaktion findet an der Oberfläche statt, nicht im Gasstrom. Schadstoffe, die auf dem Katalysator adsorbieren, verweilen dort deutlich länger als die typische Verweilzeit von rund einer Sekunde im Reaktor. Aus einem Durchlaufprozess wird für diese Moleküle ein Verweilprozess – und damit gelingt die vollständige Mineralisierung zu CO₂ und Wasser auch dort, wo die reine Gasphasenoxidation an ihre Grenzen stößt.

Ausführung

Beim oxylight®PRO-System wird die Photokatalyse als photokatalytisches Filterrack realisiert und der VUV-Stufe nachgeschaltet. Das Rack trägt den TiO₂-Katalysator auf einer großflächigen, durchströmten Trägerstruktur – für maximalen Kontakt zwischen Abluft, Katalysatoroberfläche und UV-Strahlung bei minimalem Druckverlust. Das Modul ist Teil des modularen Systemaufbaus und lässt sich auch nachträglich ergänzen, wenn sich das Schadstoffspektrum ändert oder die Grenzwerte verschärft werden.

  • Warum die Kombination stärker ist als jedes Einzelverfahren
      VUV-Photooxidation
      TiO₂-Photokatalyse
      Reaktionsort
      freie Gasphase
      Katalysatoroberfläche
      Kontaktzeit
      Verweilzeit im Reaktor (ca. 1s)
      Absorptionsdauer, deutlich länger
      Stärke
      hohe Umsatzrate, große Volumenströme
      vollständige Mineralisierung, stabile Verbindungen
      Wirkung im Kanal
      ja, durch mitgeführtes O₃
      nein, ortsgebunden

    Vorteile im Überblick

    • Vollständige Mineralisierung schwer flüchtiger und stabiler organischer Verbindungen bis zu CO₂ und H₂O
    • Deutlich höhere Abbauleistung bei komplexen und wechselnden Schadstoffspektren
    • Der Katalysator wird bei der Reaktion nicht verbraucht - kein Verbrauchsmaterial, keine Beladungsgrenze wie bei Aktivkohle, keine Entsorgung beladener Filter
    • Arbeitet bei Umgebungstemperatur - keine Aufheizung des Abluftstroms erforderlich
    • Modular nachrüstbar in bestehende oxylight®PRO-Anlagen
    • Ergänzt die VUV-Stufe, ersetzt sie nicht - beide Wirkmechanismen bleiben parallel aktiv