Chemische Industrie

Warum konventionelle Verfahren bei Pharmaabwasser versagen

Produktionsabwässer aus der chemischen Industrie enthalten häufig organische Verbindungen, die biologisch nicht oder nur unvollständig abgebaut werden – sogenannte refraktäre Substanzen. Dazu zählen chlororganische Verbindungen, Phenole und Nitroaromaten, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), 1,4-Dioxan, Biozide und halogenierte Lösungsmittel. Diese Verbindungen akkumulieren in biologischen Klärstufen, hemmen Biomasse und passieren Kläranlagen unverändert. Ihre Einleitung in Gewässer ist streng begrenzt oder verboten.
AOP-Verfahren greifen diese Verbindungen direkt an: Hydroxylradikale reagieren unspezifisch mit C–H-, C–Cl-, C–F- und C–N-Bindungen und brechen die Molekülstruktur auf – unabhängig davon, ob die Verbindung biologisch abbaubar ist oder nicht.

Typische Zielsubstanzen

  • Chlororganische Verbindungen: Chlorphenole, chlorierte Lösungsmittel (TCE, PCE), AOX
  • Per-/polyfluorierte Verbindungen
  • 1,4-Dioxan: biologisch nicht abbaubar, Grundwasserproblem
  • Phenole und Nitroaromaten: Nitrobenzol, Dinitrotoluol, Nitrophenole
  • Biozide: Triclosan, Isothiazolinone, quaternäre Ammoniumverbindungen
  • Komplexbildner: EDTA, DTPA, NTA - biologisch schwer abbaubar

Verfahrensintegration: AOP in der chemischen Industrie

Je nach Abwasserzusammensetzung und vorhandener Infrastruktur kommen unterschiedliche AOP-Konfigurationen zum Einsatz:

  • UV/H₂O₂ als eigenständige Stufe
  • UV/O₃ als Nachrüstlösung
  • Photo-Fenton für hochbelastete Ströme
  • Zweistufiges AOP-Konzept

Vorteile gegenüber anderen Verfahren

  • UV/O₃ nachrüstbar in bestehende Ozonisierungsanlagen

    minimaler Investitionsaufwand

  • Kein biologischer Hemmstoffeffekt

    AOP arbeitet unabhängig von Abwassertoxizität

  • 1,4-Dioxan

    eines der wenigen Verfahren mit vollständiger Mineralisation (kein biologischer Abbau möglich)

  • Keine AOX-Bildung

    im Gegensatz zu Chlorierungsverfahren entstehen keine halogenorganischen Nebenprodukte

  • Modulare Skalierung

    von kleinen Teilströmen (< 1 m³/h) bis zu Hauptabwasserströmen (> 50 m³/h)

Einsatzbereiche in der chemischen Industrie

Petrochemie & Raffinerien

Phenolhaltige Prozesswässer, Kühlwasserkreisläufe mit Bioziden, Tankentlüftungskondensate. AOP als Vorbehandlung vor Aktivkohle oder Biologie; typische Reduktionsziele: Phenol < 0,1 mg/l, CSB < 100 mg/l.

Kunststoff- & Polymerchemie

Abwässer aus Emulsionspolymerisation (Styrol, Acrylate, Vinylacetat), Lösungsmittelrückstände (THF, DMF, NMP), Monomere und Oligomere. AOP baut diese Verbindungen vollständig ab, die in biologischen Klärstufen toxisch wirken.

Agrochemie & Pflanzenschutz

Produktionsabwässer aus Pestizid- und Herbizidsynthese: Atrazin, Glyphosat, Chlorpyrifos, organische Phosphate. Strikte behördliche Einleitwerte (EU-WRRL: < 0,1 µg/l für Pestizide); AOP als alleinige Behandlungsstufe mit nachgewiesener Mineralisation.

Farben, Lacke & Beschichtungen

Abwässer aus Farbherstellung, Reinigungsprozessen und Spülwässern: Lösungsmittel, Pigmente, Harze, Biozide. AOP als Entfärbungs- und CSB-Reduktionsstufe vor Einleitung.

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